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Was den Mythos "Harley" ausmacht
Vergnügungsforscherin Gerda Moser analysiert das Harley-Treffen am Faaker See. GTI-Fans findet sie dagegen pubertär.
Von Eva Maria Scharf | 09.41 Uhr, 04. September 2018
Spätestens seit 1998, dem Jahr, in dem das Harley-Treffen erstmals am Faaker See Einzug hielt, sind Kärnten und der Alpen-Adria Raum mit dem Mythos Harley Davidson infiziert. Keine andere Motorradmarke vermittelt Lebensgefühl so ausgeprägt, wie das börsennotierte amerikanische Unternehmen aus Milwaukee. 70.000 Motorräder und 120.000 Besucher strömen ab heute wieder an den Faaker See. Viele von ihnen sind seit Anbeginn der Veranstaltung dabei. Manche mit der selben Harley, andere mit immer stärkeren, schnelleren Modellen. Andere widerrum feiern heuer ihr Debüt und werden das Harley-Fieber wohl nie wieder los.
„Es ist ein Familientreffen. Man weiß, man trifft Menschen mit der selben Identität und den selben Vorstellungen“, sagt Vergnügensforscherin der Universität Klagenfurt, Gerda Moser. Als Premiummarke vermittelt Harley Lifestyle. Wer eine Harley fährt, steht für „Gemütlichkeit, eleganten Rock und eine freundliche Wildheit“. „Man kann dahin cruisen oder Gas geben. Der Harley-Fahrer entscheidet selbst. Es geht um seinen freien Willen“, so Moser.
Verändert hat sich laut der Forscherin vor allem die Art des Konsums. „Er ist differenzierter. Während Konsum in den 60er-Jahren noch uniform war, unterscheidet er sich inzwischen, weil sich die Marken aufgedrosselt haben. Dadurch wurden sie zum Zeichen der Identität. Diese Identität schürt die Sehnsucht nach Zusammengehörigkeit – das finden Fans beim Harley-Treffen.“
Der Unterscheid zum GTI? „Harley ist Premium. GTI’ler sind jünger und erproben sich lieber. Viele haben das erste Mal ein Auto. Man könnte sagen, die GTIs sind noch in der Pubertät.“
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